Sonntag, 13. November 2016

Baby und Katze

Diabolo: sanftmütig lässt er sich durch nichts aus der Ruhe bringen.


Und plötzlich ist alles ganz anders. Das Leben steht Kopf. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere kleinen Samtpfoten ist ein Baby eine große Herausforderung. Kind und Katze. Ein Thema, das nicht immer so ganz einfach ist. Viele Katzen reagieren sehr empfindlich, wenn plötzlich ein neues Familienmitglied den Tag bestimmt und womöglich noch die schöne heilige Ruhe der Katzen stört.


Plötzlich gibt es weniger Streicheleinheiten. Sie werden unliebsam aus einem neuen, duftenden Schlafplatz geworfen. Womöglich bekommen sie noch nicht mal mehr zur gleichen Zeit ihr geliebtes Futter. Da kann sich eine Katze schnell vernachlässigt fühlen und vielleicht auf dumme Gedanken kommen. Sogar Eifersucht gegenüber dem neuen Baby ist möglich.

Da kommen schnell Bedenken und Sorgen wie: Hoffentlich tut die Katze dem Baby nichts, was ist, wenn sie einfach in sein Bettchen spring? usw.
Damit dies nicht passiert, haben wir versucht, unsere zwei Stubentiger möglichst von Anfang an nicht so sehr zu vernachlässigen. Wir haben ihnen gezeigt, wer ab sofort mit ihnen das Haus unsicher macht. Haben sie am Baby vorsichtig schnuppern lassen und sie dabei gestreichelt. Ihnen gezeigt, dass alles gut ist. Wir haben vermehrt mit Leckerlies gearbeitet und weiterhin auf relativ genaue Fütterungszeiten geachtet.

Dann ist da auch noch die Frage, wie es mit einer möglichen Allergie aussieht. Unser Kinderarzt meinte nur, dass es gut sei, wenn das Baby schon früh mit den Allergenen von Katzen in Berührung kommt. Somit wird er wahrscheinlich auch nicht mehr darauf reagieren. 

Unser Kater Diabolo hat das von Anfang an super mit gemacht. Er ist so sanftmütig und durch nichts aus der Ruhe zu bringen, auch nicht durch das Babygeschrei.
Die ersten Tage saß er wie ein Beschützer fast den ganzen Tag auf der Couch und wich dem Baby kaum von der Seite. Nur zu gerne wollte er in den Stubenwagen und sich mit dazu kuscheln. Vor allem wenn wir nicht da waren (Natürlich ohne Baby darin ;-) ). Sobald wir ihn aber entdeckt hatten, habe ich ihn etwas unsanfter am Kragen gepackt, geschimpft und hinaus befördert. Dies hat er zwei Mal mit sich machen lassen, ging dann aber nicht mehr hinein.

Das Schlafzimmer sowohl auch das Kinderzimmer sind für unsere Katzen momentan Tabu. Ich möchte einfach nicht, dass sie sich in die Betten legen. Das Schlafzimmer war von Anfang an Sperrzone. Da sie Freigänger sind, finde ich das einfach unhygienisch.
Wenn der Kleine laufen kann, wird es sich ohnehin nicht vermeiden lassen, dass die Katzen in das Kinderzimmer gehen. 

Mit unserem Kleinen gehen wir oft zu den Katzen und führen sein kleines Händchen an ihr Fell zum Streicheln oder lassen sie daran schnuppern. Sie genießen es und lassen sich gerne von ihm streicheln. Anschließend ist natürlich Händewaschen angesagt. Auch das Baby liebt unsere Katzen und quietscht dann vergnügt. Sobald ich von den Katzen rede, wenn ich ihm auf den Arm habe, dreht er sich herum und sucht sie lachend.

Unsere Katzendame Baileys hat das alles am Anfang leider nicht ganz so leicht weggesteckt, wie Diabolo.
Sie war schon immer sehr ruhig und bedacht. Hat Besuch und Trubel noch nie leiden können und sich dann immer nach draußen durch die Katzenklappe verzogen. Sie kam erst wieder, wenn Ruhe eingekehrt war.

Umso schwieriger war es dann auch ihr die Sache mit dem Baby beizubringen. Extrem skeptisch hat sie sich das Baby zeigen lassen. Als er einen kleinen Mucks von sich gegeben hatte, war sie sofort nach draußen gestürmt.
Dies änderte sich auch die folgenden Tage nicht. Es langte ein kurzes gequake vom Kleinen und sie war weg. Leider kam in dieser Zeit aber der tiefste Winter zurück und sie fand es draußen zu kalt. Somit zog sie sich in den Kellergang ins zweite eingestreute, aber unbenutzte Katzenklo zurück und verbrachte dort den Tag. Die arme Maus. Nur langsam gewöhnte sie sich nach und nach an die neuen Töne. Wir streichelten sie besonders viel und versuchten es auch vermehrt mit Leckerlies.

Als es allmählich besser wurde, fraß sie plötzlich nur noch ganz schlecht bzw. fast gar nichts mehr, wirkte sehr apathisch und konnte kaum noch laufen. Dies alles ereignete sich innerhalb von ein bis zwei Tagen. Dabei ertastete ich an ihrem Bauch auf beiden Seiten zwei Tennisball große Ausbuchtungen. Voller Sorge fuhren wir mit ihr zum Tierarzt, der an beiden Nieren einen Tumor fest stellen musste. Wir wurden sofort in die Tierklinik überwiesen. Den Tumor hatte der Tierarzt dort leider bestätigt. Beide Nieren waren stark vergrößert und wiesen Tumore auf, die nicht operabel waren.

Das war ein sehr großer Schock für mich. Meine kleine Mietze, die doch erst fünf Jahre alt war und mir immer zu Seite stand, wenn es mir schlecht ging. Sie hatte es gemerkt und kam dann immer zum Kuscheln.

Die Nierenwerte waren aber noch nicht ganz so schlecht, wie vermutet. Somit riet man uns zu einer Chemo, speziell gegen Nierentumore. Wenn wir Glück hatten, konnten wir sie noch retten. Da das Tier noch so jung sei, und der Tumor so aggressiv, räumte man uns aber nicht allzu viele Hoffnungen ein. Trotzdem sollten wir es probieren.

Eine Chemo für Katzen hört sich jetzt ziemlich kompliziert an, ist es aber nicht. Vor allem auch Preiswert. Wir haben Tabletten (4 Stück ca. 12 Euro) für zu Hause mitbekommen, die wir ihr einmal pro Woche verabreichen sollten. Mit Handschuhen und großer Vorsicht damit, ja nicht in Berührung zu kommen. Auch die Nebenwirkungen sind bei Katzen nicht so extrem wie bei Menschen. Kein Fellausfall. Wir haben eigentlich gar nichts gemerkt. Im Gegenteil. Nach der Chemo ging es ihr täglich sichtlich besser. Auch der Tumor wurde spürbar kleiner. Inzwischen haben wir die Tabletten auf einmal im Monat reduziert und hoffen, sie bald ganz weglassen zu können. Ein erneuter Ultraschall hatte eine deutliche Besserung ergeben.

Fazit: beide Katzen haben das Baby komplett unterschiedlich aufgenommen. Diabolo hat es nicht wirklich gestört. Baileys ist es sozusagen an die Nieren gegangen. Ihr war alles zu stressig. Jetzt hat sie sich aber vollkommen an das Baby gewöhnt und lässt sich sogar gerne von ihm streicheln. 


Unsere Tipps für eine gute Eingewöhnung für Baby und Katze:

  • Die Katze wenn möglich schon an den Kliniksachen des Babys schnuppern lassen.
  • Das Kind der Katze vor stellen (zeigen), schnuppern lassen und signalisieren, dass alles ok ist. Dabei streicheln.
  • Viele Streicheleinheiten für die Katze, mit einbeziehen in den Alltag.
  • Evtl. mit zusätzlichen Leckerlies arbeiten.
  • Fütterungszeiten einhalten.
  • Katze kastrieren lassen. Unkastrierte Katzen haben ein größeres Revierverhalten.



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Kommentare

  1. Hallo meine Liebe,
    ich finde, das habt ihr ganz gut gemeistert! Die Tipps sind auch super. Eure Arme kleine Miete. Sie tut mir so leid. Hoffentlich ist bald alles wieder gut. Ich drück euch ganz feste die Daumen und dich auch einmal fest,
    Mia

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  2. Meine liebe Mia,
    ich danke dir für deine immer so lieben Worte! Hoffe, wir sehen uns bald wieder.
    Ganz liebe Grüße

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