Samstag, 24. September 2016

Alltag



Ja, der Alltag ist bei uns wirklich eingekehrt. Mit hochgezogener Nase muss ich daran denken, dass sich meine Elternzeit auch schon bald wieder dem Ende zu neigt. Wahnsinn, wie die Zeit rast... der Kleine ist jetzt schon 7,5 Monate bei uns. Er ist noch immer da. Die Mutter "fand" noch keine Zeit zum Unterschreiben. Gut, dann schiebe ich DAS Datum gaaaanz weit weg von mir. Ich packe es in eine Schublade ganz weit unten rein, schließe ab und schmeiß den Schlüssel weg. Fort. Für immer. Ihr seht, ich werde immer besser im Verdrängen. Bin stolz auf mich.


Natürlich gab es hin und wieder Kontakt zum Jugendamt. Sie möchte die Mutter nicht drängen. Bitte, ganz wie sie möchte, umso länger haben wir ihn und umso mehr muss ich mir keine Gedanken machen. Es geht. Was man sich nicht alles einreden kann. 

Ich hatte mir überlegt, einen Brief an die Mutter zu schreiben. Das fand die Sachbearbeiterin vom Jugendamt sehr gut. Es wurde eine kleine Karte mit netten bunten Blumen darauf und ein paar Worte aus meiner Seele zu unser aller Situation. Vielleicht werde ich euch einmal genauer von diesem Brief schreiben, wenn ihr wollt. Ob sie den Brief inzwischen bekommen hat, weiß ich nicht. Dann habe ich noch ein paar aktuellere Fotos dazu gelegt. Diese werden ihr aber erst gegeben, wenn sie unterschrieben hat. Nur ob die Fotos dann noch aktuell sein werden?....Lalala. Ich schiebe schon wieder alles von mir weg. Ich hab's jetzt selbst bemerkt. Egal.

Aber jetzt zu unserem kleinen Schatz: Er kann schon fast krabbeln und hat seine ersten Wörter hinter sich. Neinneinnein, wenn ihm etwas nicht passt, dann kam Mama und später erst Papa. Momentan ist er aber wieder etwas redefauler und brabbelt nur unverständliche Dinge vor sich hin.
Er schläft ja schon seit dem zweiten Monat mehr oder weniger durch. D.h. er bekommt um halb neun Abends sein Fläschchen und wacht dann erst wieder zwischen sieben und halb neun auf. Da bin ich mächtig stolz drauf. Ich weiß, es geht auch anders. Natürlich kommt es schon ab und an vor, dass er aufwacht und weint. Meist braucht er dann nur seinen Schnuller und schläft wieder ein. Aber dies kommt nicht so vor.
So jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema. Ich glaube, fast jede (fremde) Frau, die wir irgendwo treffen, fragt nach, ob er schon durch schläft. Warum eigentlich? Wenn ich die Frage dann mit ja beantworte, haben sie immer etwas enttäuscht geschaut. So als hätten sie ein nein erwartet und wären darauf aus, mich zu bedauern und ungefragt Ratschläge zu erteilen. Das ist mir jetzt schon so oft aufgefallen und ich mach mir schon meinen Spaß daraus.
Seit neuem kommt dann immer als Antwort: wartet nur, bis er die Zähne bekommt. Dann wird er die Nacht durch schreien. Sind die Leute alle insgeheim so schadenfroh? Ich finde es ja lustig. Ich glaube, das ist so ein Instinkt, kann das sein? Wollen andere Frauen Mütter, die extrem gestresst sind und zu tiefst dankbar über genau diesen (gefühlt 1000 x gehörten) Ratschlag sind? Wird es einem nicht gegönnt, wenn ab und an auch einmal etwas gut läuft? 

Allerdings muss ich sagen, dass wir in unserer kleinen Gemeinde, in der fast jeder jeden kennt, ein wahnsinniges Rückgrat haben. Es waren alle uns gegenüber so aufrichtig erfreut. Zu meinem Mann haben sie schon einmal gesagt, wenn sie uns den Kleinen wieder nehmen wollen, machen sie eine Unterschriftenaktion und fahren höchst persönlich aufs Amt... Das finde ich so rührend. Würde zwar leider nichts bringen, aber ich finde es einfach toll, wie alle bei uns im Dorf hinter uns stehen. Nun ja, es gibt sicher auch die/den ein- oder anderen, die hinter unserem Rücken reden, aber wir stehen zu unserer Entscheidung und würden es immer wieder so machen. Vielleicht den ersten Teil weg lassen und gleich zur Ado übergehen, aber vielleicht musste ja all das so sein.

Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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Kommentare

  1. Unglaublich, das ganze.
    Ich lese schon seit Monaten bei
    Euch mit.
    Unser Kleiner ist am 12.02.16 geboren- die zwei sind also nur wenige Tage auseinander. Wenn ich mir vorstelle, dass ihr immer noch keine Gewissheit habt - da verschlägt es einem die Sprache. Ich drücke euch aus tiefstem
    Herzen ganz fest die Daumen, dass sich alles zum
    Guten wendet.
    Ich stelle mir schon länger die Frage,
    wie lange (!) dieses Spiel jetzt weiter gehen kann. Gibt es da nucht eine gesetzlich vorgeschriebene Zeit?
    Ganz ganz liebe Grüße aus dem Rheinland
    Stephanie

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  2. Hallo liebe Stephanie,
    ich danke Dir für Deine lieben Worte. Eine gesetzlich vorgeschriebene Zeit gibt es da glaube ich nicht. Ich dachte zuerst immer es sei dieses eine Jahr, bis man adoptieren kann. Habe mir früher auch nie Gedanken darüber gemacht. Aber jetzt weiß ich, dass wir nach einem Jahr den Antrag für Ado stellen dürfen, wenn sie dann noch nicht unterschrieben hat, müssen wir die Unterschrift richterlich einklagen. Eine Ersatzklage sozusagen. Ich glaube, da darf dann sogar ein Richter anstelle der Mutter unterschreiben. Das kann sich dann auch wieder ewig hinaus zögern. Ich habe einmal von einem weiteren Jahr gehört. Dann wäre er zwei!!! Das sind die deutschen Gesetze. Hammer, oder?
    Ganz liebe Grüße,

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  3. Erst mal habe ich mich sehr gefreut, wieder von Dir hier zu lesen... hatte ich doch gehofft, dass endlich eine positive Entscheidung für Euch gefallen ist. Nun ja, es ist ja auch schon positiv, dass der Kleine noch bei Euch ist. Und ganz ehrlich, je länger er bei Euch ist, umso schwieriger wird es auch für das Amt, ihn Euch einfach wegzunehmen. Die entscheiden doch auch zum Wohl des Kindes und wenn eine Mutter erst nach einem Jahr plötzlich das Kind wieder haben will, was würde das denn für psychische Störungen bei dem Kleinen entstehen lassen? Er sieht Euch doch jetzt als Mama und Papa.
    Also weiter positiv denken und die Zeit einfach genießen. Ich freu mich immer, von Dir/Euch zu lesen und hoffe jedes Mal auf gute Nachrichten!
    Ich drück Euch weiter die Daumen und wünsche Euch eine wundervolle Zeit!
    Liebe Grüße
    Dani Ela

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  4. Liebe Dani Ela,
    es ist schön, wieder von Dir zu hören. Ich freue mich immer über Deine netten Kommentare. Du hast recht, auch das Jugendamt hat gesagt, dass die Zeit für uns spricht. Ich mag es mir gar nicht ausmalen, was für Schwierigkeiten der Kleine am Anfang bei seiner Mutter hätte. Wie er weinen würde... Er hängt auch sehr an mir. Es würde mir einfach das Herz zerreißen. Aber ich denke positiv!
    Liebe Grüße

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