Samstag, 30. April 2016

Warten


Noch ist er bei uns. Wir sind so verliebt. Er hat sich jetzt schon fest in unser Herz geschlichen. Ganz still und heimlich. Zweieinhalb Monate ist er nun schon bei uns und mein Herz schmilzt jedes Mal dahin, wenn ich ihn an sehe. Seitdem er zwei Monate geworden ist, schläft er durch. Wahnsinn, ganze neun Stunden. Toi, toi, toi. Ich will ja nichts beschreien. Essen liebt er nach wie vor. Es wird aber schon weniger und die Abstände werden länger. Zum Glück. Er wiegt inzwischen stolze 6,8 kg! 

Leider gibt es noch immer keine Neuigkeiten bezüglich der Unterschrift. Die acht Wochen sind schon längst herum. Am Montag beginnt die elfte (!) Woche. Unsere JA Mitarbeiterin ging in der siebten Woche in den Krankenstand. Letzten Freitag habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe ihre Vertretung angerufen und ganz vorsichtig nachgefragt. Man will ja schließlich auch nicht unhöflich wirken... Auch die Vertretung ist eine ganz nette Frau. Sie wären wohl dabei, einen Termin mit allen Beteiligten zu vereinbaren. Ok. Näheres wollte sie mir aber nicht sagen. Dies ist jetzt schon eine Woche her. Sie wollte mich aber auf jeden Fall anrufen, wenn sie die Unterschrift haben. Oder auch nicht. Dass es diese Woche passieren wird, war für mich eher unwahrscheinlich. Wie lange wartet man eigentlich auf so einen Termin beim Notar? Richtet der sich nach der Mutter? Fragen über Fragen. 


Ich versuche nicht zu oft (am Tag!) daran zu denken. Es kommen täglich eh so viele Anfragen von Verwandten, Freunden, Nachbarn etc. alle wollen es wissen. Es ist wirklich sehr nett, dass so viele mit uns mit fiebern und Daumen drücken, aber teilweise nervt es wirklich. Man ist froh, gerade einmal nicht an Tag X Nr. 2 zu denken, da kommt wieder diese Frage, ob es denn schon soweit ist. NEIN! - und wieder müssen wir die Geschichte erzählen, dass nicht nach acht Wochen die Warterei vorbei ist, sondern erst dann die Unterschrift geleistet werden darf. Wann das ist, das ist ungewiss.

Ich habe mir schon überlegt, wie es sein würde, wenn er gehen müsste. Das sogenannte Worst-Case-Szenario. Mir würde es mein Herz zerreißen. Mein Mann hat gesagt, das können sie uns nicht antun. Dann hauen wir einfach ab. Weit weg in ein anderes Land. Wie denn? Habe ich gefragt, ohne Pass für den Kleinen. Ich weiß, dass er es nicht ganz ernst gemeint hat. Aber ich weiß auch, wie weh es ihm tun würde. Er würde mit dem JA ein paar Takte reden, dass es so nicht geht. Wenn, dann hätte es sich die Mutter schon früher überlegen müssen. Die müssten ja auch an uns denken. Der Kleine hat sich inzwischen auf uns geprägt. Ich versuche ihn dann zu beschwichtigen. Ich! Normalerweise bin ich die, die beruhigt werden muss.
Ich habe mir überlegt, ob ich nicht dabei sein könnte, bei der Übergabe. Es würde zwar der schwerste Gang meines Lebens werden, aber es würde mir die Gewissheit geben, dass es so das Beste für das Kind ist. Zu sehen, wie sie ihn in ihre Arme schließt. Zu wissen, dass das Richtige ist. Dass es ihm gut geht. - Ich muss gerade schlucken, weil es mir die Tränen in die Augen treibt. -  Aber dabei zu sein wäre ein Abschluss für mich. Für meine Seele und für mein Gewissen. Zu wissen, dass ich diesem kleinen Knirps einen schönen Start ins Leben schenken durfte. Vielleicht würde ich ihn ja auch einmal wieder sehen dürfen? 
Wenn das Jugendamt ihn einfach so mitnehmen würde, wäre es für mich, als würde er sterben. In Wahrheit stirbt natürlich ein Teil in mir. Tief in meinem Herzen.

Wie immer herrscht noch immer Chaos in meiner Gefühlswelt. Es wäre so einfach. So schön. 

Ich versuche jeden Tag, jede Sekunde mit unserem kleinen Schatz zu genießen und sehe es als Aufschub. Ich bin dankbar, dass er noch immer bei uns sein darf. Dass ich für nun zweieinhalb Monate schon das Gefühl einer richtigen Familie genießen darf.

Dafür danke ich sehr.
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Kommentare

  1. Diese Ungewissheit ist furchtbar... Alle Daumen sind gedrückt für euch!

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  2. Ich drücke Euch auch weiterhin alle Daumen!!! Das, was Du Deinem Mann zur Beruhigung sagst, empfinde ich genauso. Für den Kleinen seid ihr jetzt die Bezugspersonen, wenn man ihn fragen könnte, würde er auf jeden Fall bei Euch bleiben wollen!!! Ich wünsche Euch alles Gute!
    Ganz liebe Grüße
    Dani Ela

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  3. Und? Gibt es Neuigkeiten?
    Fest gedrückte Daumen und liebe Grüße

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  4. Ihr Lieben, ich danke euch von Herzen für die tollen Worte. Leider gibt es noch immer keine Neuigkeiten! Mein Mann hat nochmal beim JA angerufen. Ich hab mich nicht mehr getraut :-( Dort hieße es, dass die Mutter gesagt hat, dass schon alles vorbereitet werden soll. Sie hat nur beruflich momentan keine Zeit, einen Termin zu vereinbaren :-( Das bringt uns nur auch nicht weiter. Ich genieße die Zeit so sehr mit ihm.
    Ganz liebe Grüße

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  5. Alles Gute für die Unterschrift! Ich drücke Euch fest die Daumen. Deinem Blog fole ich still bereits sehr lange und habe mich sehr gefreut, dass es mit dem Kind geklappt hat.
    Ich weiß, Du hast gerade andere Sorgen, aber wenn Du Zeit hast oder Ablenkung brauchst, würde ich mich freuen, wenn Du
    bei "Alles Familie?!-Spezial" des Liebster Award mitmachst, den ich auf meinem Blog über unsere Familie aus Samenspende ausgerufen und Dich nominiert habe. Es geht um die Entscheidung für "ungewöhnliche" Familienentstehungswege. Schau mal hier: https://wuenschekindereltern.wordpress.com/2016/06/06/liebster-award-die-3-wird-weitergereicht-als-liebster-award-das-alles-familie-spezial/
    Alles Gute für Euch DREI (!!!)
    LG Tina

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    1. Hallo liebe Tina,
      sorry, dass ich mich erst jetzt melde. Die Zeit rast davon. Ich habe deinen Kommentar veröffentlicht, aber dann den Blog nicht wieder besucht, weil er mich einfach auch an die Warteschleife erinnert. Dass eben noch nicht alles vorbei ist. Ich danke dir für deine lieben Worte und werde mir demnächst Gedanken über deine Fragen für den Award machen. Mitgemacht habe ich ja schon einmal, aber das ist nun schon einige Zeit wieder her. Außerdem sind es ja auch jetzt ganz andere Fragen :-)
      Liebe Grüße

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