Sonntag, 6. März 2016

Tag X - und plötzlich ist er (Part I)

Es tut mir furchtbar leid, dass ich mich nicht schon viel früher bei euch gemeldet habe. Aber momentan ist alles einfach so aufregend und neu für uns. So viele Hoffnungen, Ängste und Sorgen. Aber auch so viel Liebe und Wärme, die mein Herz durchströmen. Mit einer großen Portion Angst, dass bald wieder alles zu Ende sein könnte.

Es hat ganze 100 Posts (!) auf diesem Blog gebraucht, bis wir endlich ein Baby in den Armen halten durften. Ein Baby, das hoffentlich für immer bei uns bleiben darf.

Aber zurück zum besagten Tag:



Am 16.02.16 (ein tolles Datum, oder?) machte ich mich um 10:00 Uhr am Vormittag fertig, um in die Arbeit zu fahren. Dabei verpasste ich leider einen Anruf vom Jugendamt auf meinem Handy. Als ich dies sah, schlug mein Herz automatisch ein paar Takte schneller und wählte mit leicht zitternden Händen die Wahlwiederholung.

Es gäbe da einen kleinen Jungen, hieß es, der in der Nacht zu Hause geboren wurde und gleich danach ins Krankenhaus gebracht wurde. - Oh. War meine Reaktion. Sollte dies schon DER Anruf sein? Jetzt schon? Damit hatte ich noch gar nicht gerechnet. Aber nicht im negativen Sinne. Sondern ich wollte es immer ein wenig von mir weg schieben, damit ich mir nicht schon zu früh Hoffnungen machte und dann noch Jahre hätte warten müssen.

Das Jugendamt wollte sich noch einmal mit der Mutter in Verbindung setzen, aber wir sollten uns vorsichtshalber schon einmal bereit halten und in der Arbeit alles klären. Sie würde uns am Nachmittag zurück rufen, sobald sie mehr wusste. Es war noch alles sehr ungewiss.
Die Arbeit - ohje. Ich hatte gerade drei Wochen Urlaub hinter mir und eben einmal einen Tag gearbeitet. Es ging drunter und drüber.

Die Dame vom Jugendamt meinte, sie habe meinen Mann bereits angerufen, als sie bei mir niemanden erreichte. Somit wusste er scheinbar auch schon Bescheid. Wie ferngesteuert rief ich meinen Mann an. Meine Gedanken überschlugen sich. Ich fühlte mich wie auf einem Trip. Wobei, wie fühlt man sich da eigentlich? Egal. So kam ich mir jedenfalls vor. Wie auf Drogen. Er ging nicht an sein Handy ran! Mensch. Immer wenn es wichtig ist. Er wusste es doch auch schon. Warum geht er dann nicht ran? Insgesamt habe ich fast eine halbe Stunde lang versucht, ihn zu erreichen. Nichts. Auch kein Rückruf. Ich saß auf Kohlen und war schon ziemlich verärgert. Oder war ihm etwas passiert? Ich musste doch schließlich auch in die Arbeit fahren, damit ich pünktlich um elf Uhr anfangen konnte.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit ging er dann endlich einmal an sein Telefon ran. Was denn los sei? Sechs Anrufe in Abwesenheit und drei Nachrichten. Ob denn was passiert wäre. Hä? Ich war durcheinander und stammelte was vom Jugendamt und warum er nicht dran geht. Er hatte das Handy nicht gehört und auch keinen Anruf vom Jugendamt erhalten. Von meiner Nachricht war er sprachlos und total aufgeregt. Wie sich heraus stellte, hatte das Jugendamt nur auf seine Mailbox gesprochen.

Vor lauter Aufregung schaffte ich es dann sogar noch einigermaßen pünktlich in die Arbeit. Die Chefs waren gerade nicht im Büro, also weihte ich als erstes meine Kollegin ein. Oh mein Gott, war ich aufgeregt und sie mit. Sie wusste ein wenig von unseren Plänen. Als die Chefs wieder im Büro waren, ging ich mit klopfendem Herzen zu ihnen. Sie wussten zwar ein wenig, wie es bei uns im Privatleben aussah, aber genaueres auch wieder nicht. "Es kann sein, dass ich ab heute Nachmittag in Elternzeit gehe..." fing ich an. Sagte ich das gerade wirklich? Ich konnte es kaum glauben, was meine Lippen von sich gaben. Beide freuten sich aber sehr für mich, waren aber auch ein wenig geschockt, da ich doch eine große Verantwortung in meinem Beruf hatte.
 
Meine Konzentration war gleich null und ich lief immer noch wie ferngesteuert herum. Ich konnte mich nicht wirklich auf die Arbeit einlassen. Alle nur möglichen "Was-wäre-wenn" Szenarien spielten sich in meinem Kopf ab. Bis endlich der zweite Anruf um 15:30 Uhr kam. Leider konnten sie die Mutter nicht erreichen, aber wir wollten uns gleich im Krankenhaus treffen. Dabei sollten wir uns aber auch schon einmal einen Gedanken über den Namen machen. So schnell es ging machte ich die Übergabe in der Arbeit und sammelte meine persönlichen Sachen alle zusammen. Mit einer voll bepackten Tüte verabschiedete ich mich von meinen liebsten Kolleginnen, mit den Worten: "Vielleicht sehen wir uns jetzt länger nicht mehr..." Alle waren sehr erstaunt, freuten sich mit mir und wünschten mir ganz viel Glück.

Zu Hause war mein Mann genauso ein nervliches Wrack wie ich. Im Auto überlegten wir zusammen nach einem passenden Vornamen. Der Nachname würde ja das erste Jahr noch der von der Mutter sein. Ich glaube innerhalb einer viertel Stunde haben wir uns geeinigt. Es ist ein solider und schöner deutscher Vorname. Der Patron der Feuerwehrleute. Passend, da in der Familie meines Mannes alle bei der freiwilligen Feuerwehr sind. Wir wollten keinen ausgefallenen Namen, den man kaum aussprechen kann. Eingedeutschtes Englisch oder ähnliches. Geht finde ich mal gar nicht. Aber Geschmäcker sind eben verschieden.

Überpünktlich kamen wir am Krankenhaus an. Zusammen mit der Dame vom Jugendamt gingen wir auf die Entbindungsstation. Als wir auf den Kleinen warteten, wurden wir von den Schwestern neugierig begutachtet. Dann, endlich wurde er in seinem kleinen Bettchen aus dem Schwesternzimmer gefahren. Wir erhaschten einen kurzen Blick, bevor er in ein leeres Zimmer gerollt wurde. Aufgeregt folgten wir. 

Der erste Moment war ganz seltsam. Da lag das kleine Würmchen mit ganz dunklen Haaren in seinem Bettchen und schlummerte friedlich. Am liebsten wollte ich ihn sofort in den Arm nehmen, doch irgendetwas hielt mich zurück. War es der Schutzmechanismus, der mich aufhielt? Die Stimme im Kopf die mir leise zuflüsterte, dass das vielleicht doch gar nicht gut gehen wird? Zu viele Enttäuschungen liegen hinter mir. Da ist man natürlich erst einmal eher skeptisch. Ich muss gestehen, dass ich nicht heulend da stand. So wie ich es gedacht hätte. Ich konnte es einfach nur noch nicht wirklich glauben. Noch dazu, weil alles einfach noch so ungewiss war. Es sollte eine inkognito Adoption werden. Also ganz anonym. Aber zuerst musste noch mit der Mutter Kontakt aufgenommen werden.

Die Schwester nahm den Kleinen aus seinem Bettchen und legte ihn mir auf den Arm. Er war so winzig. So zerbrechlich und doch so wunderschön. Sollte es wirklich unser kleines Würmchen werden dürfen? Es fühlte sich so gut an. So richtig.

So, dass war jetzt einmal der erste Part. Ich will euch nicht zu sehr zutexten. Es sind nur so viele Emotionen und so viele Dinge, die ich euch gerne mitteilen möchte.
 
Bald geht es weiter.

Ganz liebe Grüße von den drei Glücklichen!
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Kommentare

  1. Oh... ich bin schon ganz gespannt auf Part II !!! Von mir aus hättest Du uns noch mehr zutexten können, ich war beim Lesen mittendrin und habe so mitgefühlt. Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute und nur das Beste!! Bin gespannt, was Du weiter berichtest. Und ich wünsche Euch wundervolle, tolle Momente!!
    Ganz liebe Grüße
    Dani Ela

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  2. Das liest sich wunderschön. Ich komme wieder und warte gespannt auf die Fortsetzung. Alles Liebe euch Dreien!

    Penny

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  3. Oooooh!! <3

    Ich hätte auch noch ewig weiter gelesen. Hoffentlich kommt bald Part II ;)

    Alles Liebe euch

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  4. Danke ihr Lieben <3

    morgen geht es weiter :-)

    Ganz liebe Grüße

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  5. Juchuuuuu, ich hab so lange nicht bei dir vorbei geschaut und jetzt lese ich DAS��Wie wundervoll!!! Herzlichen Glückwunsch !!

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  6. Danke liebe Frau Bitte :-)
    ich les bei euch auch immer fleißig mit!
    Liebe Grüße

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Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

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