Sonntag, 13. März 2016

Tag X - Part II



 
... und weiter gehts :-) 

da standen wir nun. Das Würmchen auf meinem Arm. Er knatschte kurz und schlummerte dann friedlich ein. Mein Mann stand selig daneben und begutachtete ihn. Die Hebamme und die Dame vom Jugendamt beratschlagten, wie es weiter gehen sollte.


Wir sollten auf jeden Fall die Nacht mit ihm hier im Krankenhaus verbringen, hieß es. Zwar wäre es mit den freien Zimmern ein wenig schwierig, aber sie würden es regeln können. Somit wurde ich kurzerhand auf der Entbindungsstation "eingewiesen". Mein Mann sollte auch da bleiben. Das kam natürlich ein bisschen plötzlich für uns, aber man ist ja flexibel, nicht wahr? Wir bekamen ein Zweibettzimmer ganz für uns alleine.

Nach einer kurzen Kuschelzeit zu dritt fuhr mein Mann nach Hause und holte die nötigsten Sachen für uns. Er würde nur eine Nacht mit im Krankenhaus verbringen, ich noch eine weitere Nacht, bis der Kleine entlassen werden konnte.

In der Nacht hatte das Würmchen gut 3-4 Stunden durchgeschlafen. Zwar etwas unruhig, hat aber kaum geweint. Überhaupt hat er am Anfang wirklich nur geweint, wenn er hunger bekam.

Am nächsten Tag war ab Mittag dann extrem-Shopping angesagt. Vieles bekamen wir Gottseidank vom Schwager, aber trotzdem blieben da noch MaxiCosi, Bettchen, Wickeltisch, Kommode, Windeln, Fläschchen, Milch, ein paar Anziehsachen und und und. Wir hatten ja noch gar nichts vorbereitet. Ich wollte das auch nicht. Zu groß wäre die Enttäuschung gewesen, wenn wir schon einen Teil des Zimmers eingerichtet hätten, aber nie ein Baby bekommen hätten.

Das Würmchen wurde für vier Stunden wieder zu den Schwestern gebracht. Er war dort der Liebling der Station. Das Schicksal des Kleinen fanden dort alle sehr schlimm. Die Mutter hatte ihn zu Hause auf die Welt gebracht und anschließend im Krankenhaus abgeben. Alle Schwestern waren sehr nett zu uns und wollten wissen wie es uns geht und fanden es sehr aufregend. Sie waren froh, dass er in ihrer Meinung nach so gute Hände kam. Unsere Hebamme, die den Kleinen in der Nacht von der Mutter in Empfang genommen hatte, ist sogar zufällig die, die auch das Kind vom Schwager auf die Welt gebracht hatte. Sie besucht uns noch regelmäßig einmal pro Woche zu Hause, um uns mit Tipps und Tricks zur Seite zu stehen. Das finde ich sehr angenehm. Sie kontrolliert auch sein Gewicht. Welches aber durch seinen extremen Hunger ziemlich schnell zunimmt. Ein kleiner Vielfraß, den wir da bekommen haben.

Leider wurde das Gespräch mit der Mutter wieder um eine Woche verschoben. Somit hatten wir zum Entlassungstag noch immer die Ungewissheit. Ich traute mich gar nicht die gekauften Sachen auszupacken. Hatte noch überall die Etiketten dran gelassen und den Kassenbon aufgehoben. Sicher ist Sicher. Den Kindersitz mussten wir aber für die Fahrt benutzen.

Am liebsten würde ich gerne noch viel mehr Sachen kaufen, aber ich bremse mich noch immer aus. Wenn die Mutter ihn zurück möchte, dann haben wir all die Babysachen zu Hause und es würde sehr weh tun, diese ansehen zu müssen. Zurückgeben geht inzwischen nicht mehr, dann bliebe nur noch der Basar oder Flohmarkt.

Die ersten Tage zu Hause vergingen relativ schnell. Das Würmchen entwickelte einen sehr guten Hunger samt den ersten Blähungen. Er meldete sich bei extremem Hunger sogar schon nach 1,5 Stunden. Wenn es ganz gut ging, dann hielt er drei Stunden durch. Das war aber eher selten.

Das Gespräch mit der Mutter verdrängte ich. Er war mir in so kurzer Zeit schon so ans Herz gewachsen und fühlte sich wie ein eigenes Kind an. Die Mitarbeiterin vom Jugendamt meinte, wir sollten ihn als Gast ansehen. Als Gast! Das geht nun wirklich nicht. Wie kann man so ein süßes kleines Wesen denn bitte als Gast ansehen? 
Zwei Tage vor dem Gespräch brach ich innerlich zusammen. Ich stand im Kinderzimmer, hielt das Baby auf dem Arm und fing an zu heulen. Ihn wieder hergeben zu müssen, wäre das Schlimmste, was mir passieren konnte. Nach all diesen Jahren, so nahe am Ziel. Sollte das wirklich sein? Ich weiß nicht, was ich dann machen würde. Das wäre schlimmer, als all die negativen Tests in den ganzen Jahren. Das wäre meine Zerstörung. Wirklich.

Ich hoffte darauf, dass auch dieses Gespräch nie stattfinden würde. Dass die Mutter sich noch immer weigern würde. Sie wollte eigentlich von Anfang an eine inkognito Adoption. D.h. Es würden keine Namen existieren. Nur leider würde ihre Bedenkzeit dann von acht Wochen auf ein Jahr hochgestuft werden. Ein ganzes Jahr in Ungewissheit. Das ist hart. Aber das Jugendamt wollte eben mit der Mutter noch einmal reden. Unter anderem auch darüber, eine normale Adoption daraus zu machen. Diese wäre für uns zum Vorteil. Was aber, wenn ihr dann das kleine Würmchen doch abgeht?

Ihr seht, kaum ist man halbwegs auf der Zielgeraden, eröffnen sich weitere Stolperfallen und Ängste. 

Jetzt muss ich ein hungriges Mäulchen füttern gehen, der Kleine hält uns wirklich ganz schön auf Trab. Aber ich mag das. Beim nächsten Mal berichte ich euch über das Gespräch.

Ganz liebe Grüße
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Kommentare

  1. Oh wie wunderbar! Ich drücke euch so fest die Daumen dass alles klappt und ihr die Zeit mit eurem Baby restlos genießen könnt!
    Liebe Grüße, Sarah

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  2. Ich denke ganz oft an Euch und hoffe, dass es sich für Euch zum Guten wendet. Zwar wünscht man sich im Normalfall, dass die Mama zur Vernunft kommt und das Kind bei ihr aufwachsen kann, aber in diesem speziellen Fall wünsche ich mir ganz sehr, dass der kleine Vielfraß weiterhin Eure Haare vom Kopf fressen darf ;-) Sozusagen entscheidet es sich ja erst Mitte April, wenn ich richtig gerechnet habe? Alles Gute weiterhin!
    Liebe Grüße
    Dani Ela

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    1. Liebe Dani Ela,
      ja, Mitte April kann die Mutter erst beim Notar unterschreiben. Kann. Wenn sie den Termin platzen lässt, oder verschiebt, dann kann sich das alles leider noch sehr lange hin ziehen. Deine Worte sind immer so aufbauend. Das tut so gut. Ich danke dir von Herzen.

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  3. Oh mann, was für ein Krimi!

    Ich hoffe, dass es gut für euch ausgeht und ihr euer kleines Wunder behalten dürft!!

    Ist es denn Usus, dass die Adoptiveltern in dieser ersten, noch ungewissen Zeit bereits das Kind zu sich nehmen? Ich dachte immer, für diese ersten Wochen gibt es diese Bereitschaftspflegeplätze. Ich glaube dir auf´s Wort, dass es schrecklich für dich wäre, den kleinen Mann wieder hergeben zu müssen. Ich wünsche dir so sehr, dass das nicht passiert und ja, ich wünsche es auch dem kleinen Schatz.
    Warum auch immer die leibliche Mutter ihr Kind abgegeben hat, sie hatte Gründe. Schwerwiegende, nehme ich an, denn "einfach so" gibt eine Mutter ihr Kind nicht weg. Bei euch hat der kleine Junge ein zu Hause, ein stabiles Umfeld und Eltern, die ihn über alles lieben. Ich hoffe, dass das Jugendamt ihr sagen wird, dass der Kleine jetzt bei den besten und liebevollsten Eltern untergebracht ist, die man sich nur vorstellen kann und dass er es bei euch sehr gut haben würde, wenn er bleiben dürfte.

    Alles Gute!!
    C.

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    1. Einerseits ist es ja nicht schlecht, das Kind nach der Geburt sofort in die Obhut der neuen Adoptiveltern zu geben. Somit kann gleich eine Bindung aufgebaut werden. Anderseits war es früher tatsächlich so gedacht, dass die Kinder erst in eine Bereitschaftspflege kommen. Allerdings wäre es dann ein ziemliches Umherreichen für die Babies. Somit haben jetzt eben "nur" die Adoptiveltern dann das Desaster.
      Ich danke auch dir für deine lieben Worte :-)

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  4. Ich hoffe so sehr für euch, dass ihr den kleinen behalten könnt!
    Ihn wieder abzugeben könnte ich mir auch nicht vorstellen. Das wäre echt schlimm.

    Oh ich drück dir die Daumen!

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