Sonntag, 20. März 2016

Das Gespräch

Inzwischen ist unser Würmchen schon einen Monat alt geworden. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

Gestern hat er mich das erste Mal richtig angelächelt. Ich bin dahin geschmolzen. Er sah mir in die Augen und hat sein kleines Mündchen zu einem breiten Lächeln verzogen. Ich wusste nicht, dass man sich über so etwas so sehr freuen kann. Mir standen gleich ein paar Tränen in den Augen.

Auch die U3 haben wir bereits hinter uns gebracht. Alles perfekt. Er ist im ersten Monat stolze 8 cm gewachsen! Daher auch der enorme Hunger. Das Gewicht dazu ist ganz normal. Mich hatte es schon gewundert, wo er die ganze Milch hin steckt, denn "dick" ist er nun wahrlich nicht. 
Den Heißhunger konnten wir ein wenig mit der 1er Milch reduzieren. Jetzt hält er zwischen 3-4 Stunden durch. Trinkt aber schon mehr, als er lt. Verpackung für sein Alter trinken sollte. Ab und an, wenn die Abstände zu gering werden, geben wir ihm noch ein wenig Fencheltee, das auch seinem Bäuchlein sehr gut tut.

Aber wie verlief eigentlich das Gespräch? 
Tja. Ich bin ein wenig hin und her gerissen. Das Jugendamt musste ja über alle Formen der Adoption aufklären und auf alle rechtlichen Sachen hinweisen. Dabei kamen sie auch auf das Gespräch über Langzeitpflege. Als ich das hörte, war ich geschockt. Dachte die Mutter jetzt auf einmal schon über Langzeitpflege nach? Sie tat es tatsächlich. Dennoch riet ihr die Sachbearbeiterin davon ab. Dies wäre nicht zum Wohle des Kindes, wenn es dann plötzlich, nach 1-2 Jahren wieder zurück geholt wird. Nur weil es der Mutter gerade passt. Das verstand die Mutter, behielt aber immer noch Bedenkzeit darüber. Was das Jugendamt ihr aber versprach - und das haben wir von Anfang an unserer Bewerbungsphase eingewilligt ist, dass sie das Kind jederzeit gerne sehen kann. Mit Absprache des Jugendamtes. Das wäre auch für uns vollkommen in Ordnung. Hauptsache, wir dürfen den Kleinen behalten.
Dann haben sie die Geburtsurkunde vorbereitet. Der Name, dem wir ihn gegeben haben, war für die Mutter in Ordnung. Sie hatte sich aber schon einen anderen Namen ausgedacht. Dieser wurde dann als zweiter Vorname gewählt. Das entschied die Mutter und das Jugendamt. Das erschrak mich auch wieder etwas. Wenn die Mutter schon einen Namen hatte, dann hatte sie ja doch gedanklich schon eine Beziehung zu ihm aufgebaut. Das kann für uns eigentlich nicht gut sein, oder?

Zwei Tage später schrieb die Mutter dem Jugendamt noch einmal, dass sie persönlich keinerlei weitere Hilfe (psychologisch) benötige und der Sachbearbeiterin sehr dankbar wäre, sie kennen gelernt zu haben. Das ist wirklich sehr nett von ihr. Laut der Hebamme und dem Jugendamt macht sie auch einen sehr vernünftigen und netten Eindruck. Sie möchte wirklich nur das Beste für unser kleines Würmchen.

Dennoch haben mich die Tage wieder riesen Zweifel geplagt. Wenn die Mutter so nett ist, scheint sie ja ein großes Herz zu haben. Ich würde es ihr niemals verübeln, wenn sie das Baby wieder zurück haben würde. Wir sind ihr unendlich dankbar, dass sie ihm das Leben geschenkt hat. Ich versuche mich die ganze Zeit, in sie hinein zu versetzen. Die Gründe sind uns bekannt. Aber was ist mit dem Gewissen, dem Unterbewusstsein und den Gefühlen? Was ist, wenn sie jetzt nach und nach begreift, dass ihr etwas fehlt. Ganz feste. Auch wenn er verheimlicht wurde, siegt nicht irgendwann die Mutterliebe?

Ende März wird noch einmal ein Gespräch mit der Mutter stattfinden, um alles für den Notar vorzubereiten. Je näher Ende März rückt, desto verzweifelter werde ich wieder. Ich hoffe, mich frisst die Angst nicht auf. Immer wieder denke ich wenn ich ihn ansehe, wer weiß, wie lange wir ihn noch haben dürfen und könnte heulen. Aber ich versuche, jede Stunde, jede Minute, die wir mit ihm verbringen dürfen, zu genießen. Ich sage mir, dass wir ihm dann wenigstens einen schönen Start ins Leben schenken durften.
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Kommentare

  1. Ach mensch... das ist wirklich alles so emotional und dramatisch. Und ich kann mir vorstellen, wie sehr das an Euch nagt. Ich hoffe ganz doll, dass es sich für Euch zum Guten wendet! Und dass Du die Zeit auch bis Ende März ganz sehr mit dem Kleinen genießen und die schlechten Gedanken wegschieben kannst.
    Es ist wirklich keine leichte Situation und beim Lesen habe ich sogar Sympathie für die Mutter entwickelt, sie scheint nett zu sein und schon genau zu überlegen. Auch finde ich es gut, dass eine Adoption nicht sofort abgewickelt wird und eine Mutter so noch eine Chance hat, über ihre Gefühle nachzudenken. Aber was es für die Pflegeeltern bedeutet, das kann man gar nicht beschreiben. Ich stell mir das ganz schlimm vor und mag gar nicht daran denken!
    Ich drück Euch ganz fest die Daumen und wünsche Euch weiter alles Gute!
    Ganz liebe Grüße
    Dani Ela

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  2. Hallo!
    Wir haben im selben Forum geschrieben. Jetzt schaue ich ab und zu mal hier rein, wie es bei euch weitergeht. Ich hoffe, der Termin Ende März ist für euch gut verlaufen. Man kann das Glück, dass du empfindest, aus deinen Berichten förmlich herauslesen! Aber auch die Ängste! Ich wünsche euch alles Gute, dass der Kleine bei euch aufwachsen darf!
    Liebe Grüße
    Cookie

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  3. Die liebe Cookie, wie schön dich hier zu treffen! :-)
    Vielen lieben Dank für deine Worte. Ich hoffe euch geht es auch gut?
    Ganz liebe Grüße

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  4. Alles wunderbar bei uns! Die Süsse ist schon 3 1/2 Monate alt und "erzählt" und lacht so schön!
    Ich werde weiter mit euch mitfiebern!

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    1. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Das hört sich sehr schön an. Wenn es dann soweit ist, kann man es kaum fassenm, oder? Ich halte manchmal inne, blicke den Kleinen an und denke mir, kann das war sein, oder ist das nur ein Traum?
      Ganz liebe Grüße

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