Sonntag, 20. Dezember 2015

Bavarian Atlantis - oder: alle Jahre wieder



Die Tage waren wir wieder am Stausee. Dort ist es Sommer wie Winter einfach wunderschön. Zurzeit gab es dort eine richtige Attraktion: das Wasser wurde zu einem großen Teil abgelassen. Zum Vorschein kamen die Grundmauern eines alten Dorfes, dass vor 56 Jahren geflutet wurde.
Was längst in Vergessenheit geraten war, taucht fast schon mystisch wieder auf. Als würde die Zeit wieder zurück gedreht werden. An einen längst vergessenen Ort. Bavarian Atlantis habe ich ihn getauft. In Wirklichkeit ist der Name natürlich nicht ganz so romantisch...

Wie diesem Dorf geht es mir momentan. Gedanken tauchen wieder auf. Ängste, Sorgen, die mir allzu bekannt vorkommen. Die Angst, vor der nächsten Schwangerschaft meiner Schwestern/Schwägerin. Dass wir nie ein eigenes Kinderlachen in unserem Haus hören werden. Die Grundmauern sind noch da, auch wenn sich die Begebenheiten geändert und wir einen Schlussstrich gezogen haben. Sollte ich mich jetzt nicht frei fühlen? Wollte ich nicht jetzt das Leben ein bisschen genießen? Es ist Weihnachten, hey, ist man da nicht glücklich? Da hat man doch glücklich zu sein, oder? 

Der ein oder Andere würde mich jetzt als undankbar abstempeln. Undankbar für das, was ich doch alles habe. Einen liebevollen Mann, ein wunderschönes Haus, eine tolle Familie, keine mir bekannten lebensbedrohlichen Krankheiten...
Das schätze ich doch alles so sehr! Aber es fehlt einfach etwas ganz tief in meinem Herzen. Könnt ihr das verstehen? Ich könnte auf so vieles verzichten, hätte ich dieses eine Puzzelteil, das mir (noch) abgeht. Bin ich deswegen undankbar? 
Natürlich gibt es keine Garantie, dass dann mein Leben perfekt wird. Wie heißt es so schön: kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Aber diese Herausforderung nehme ich liebend gerne an. Auch wenn es nicht leicht werden wird. Aber ich bin definitiv bereit dafür.

Ich habe jetzt schon ein paar Mal gehört und von euch gelesen, dass ich stark bin. So komme ich mir aber gar nicht vor. Zwar stärker als am Anfang meines Kinderwunschweges, aber noch lange nicht so stark, wie ich es gerne wäre. 
Ich denke mir oft, habe ich meinen Mann überhaupt verdient? Hat er es nicht verdient, eigene Kinder zu bekommen? Er liebt Kinder über alles. Genauso wie meine Schwiegermutter. Wie kommen sie nur damit klar, ohne auch nur einen verletzenden Kommentar?  Sie nehmen es einfach so hin. Sie nehmen mich wie ich bin. Das kenne ich von meiner Familie nicht ganz so. Jemanden zu akzeptieren, wie er ist. Deswegen kommt es mir auch so falsch vor. Ich bin doch die Verursacherin. Ich bin das Problem. Ich würde meinen Mann verstehen, wenn er mich deswegen verlassen würde. Aber sie akzeptieren mich bedingungslos. Stehen voll und ganz hinter mir (uns, und unserem Kinderwunschweg).Trotz meiner sehr zurück gezogenen Phasen in den letzten Jahren. Ich kann das eigentlich so gar nicht richtig glauben.

Nach diesen geschriebenen Sätzen fühle ich mich unendlich dankbar und schäme mich schon fast für mein nicht vorhandenes Puzzelteil, das ich mir so sehr wünsche.

Ich möchte mich auch von Herzen bei euch, liebe Leserinnen (und Leser?) bedanken. Für all eure lieben und aufmunternden Worte. Dafür, dass ihr mir zuhört, bzw. dass ich meinen Kummer bei euch von der Seele schreiben darf. Zu wissen, nicht allein zu sein tut gut.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein erholsames und gemütliches Weihnachtsfest. Lasst euch nicht stressen. Es muss nicht immer alles bis ins kleinste Detail perfekt sein. Hauptsache es kommt von Herzen.

Liebste Grüße


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Kommentare

  1. Fühl dich bitte fest gedrückt. Ich verstehe dich sehr sehr gut und ja du bist nicht allein ♥

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  2. Danke dir, liebe Peach. Ich hoffe dir geht es soweit ganz gut? Mit deinem Blog hast du ja im September abgeschlossen.
    Liebe Grüße <3

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  3. Liebe 'starke Frau'
    DANKE!
    Wir haben einen erschreckend identischen Kinderwunschweg...ich kann meine Empfindungen kaum in Worte fassen, ..
    Ich weiss nicht ob dieser kleine Wunsch der für uns alles bedeutet jemals als abgeschlossen betrachtet werden kann.
    Deine Worte haben mich unendlich beruehrt ..es ist wie in die eigene Seele zu blicken.
    Danke! Umarmung
    Eine andere starke Frau

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  4. Liebe anonyme ebenfalls starke Frau,

    ich danke dir für deine lieben Worte. Es tut mir weh zu lesen, dass es doch tasächlich noch jemanden mit den gleichen Gedanken und Empfindungen gibt. Das wünsche ich nämlich niemanden. Aber auch du wirst es schaffen, glücklich zu sein und an dein Ziel zu gelangen! Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

    Ganz liebe Grüße und eine feste Umarmung zurück,

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  5. Hallöchen,
    Ich danke dir sehr für deine Gefühle und deinen Gedanken... Es tut so gut zu lesen das man nicht allein ist ... Für uns geht es auch in die Adoption und dadurch bin ich auf deinen Blog gekommen und finde mich in vielen von dir Geschriebenen wieder ...
    Liebe Grüße Jessi

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    1. Hallo liebe Jessi,
      ich wünsche dir für deinen neuen Weg ganz viel Glück! Das werdet ihr schaffen und sicher nicht bereuen. Im nachhinein bereue ich sogar ein paar der Behandlungen. Hätte ich vorher gewusst, wie fast schon "perfekt" jetzt alles ist, dann hätte ich mir viele Schmerzen ersparen können.
      Ganz liebe Grüße,
      Steffi

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