Sonntag, 15. November 2015

Wir sind die ohne Kinder...

Jetzt haben wir unser erstes Seminar bezüglich Adoption hinter uns. Es waren eineinhalb sehr interessante Tage. Zwar ging es da eher um Pflege und Traumatabehandlung aber ich fand es trotzdem sehr aufschlussreich. Wir wollen uns diese Option eben für später frei halten.

Wir waren zehn Paare. Eine der Seminarleiterinnen, die auch unsere Vermittlerin vom Amt ist, freute sich über die rege Teilnahme. Es seien einige unter uns, die schon Kinder haben, aber auch ein Paar, das in Kinderwunschbehandlung war. Bingo. Das waren dann wohl wir.
Alle Teilnehmer mussten sich noch einmal einzeln vorstellen. Ich war überrascht, wirklich alle hatten eigene Kinder und wollten ein Pflegekind aufnehmen. Außer wir. So stellte ich mich dann auch vor: "Hallo, wir sind die ohne Kinder..." 
Ich kam mir in der Gruppe schon ein wenig seltsam vor. Wieder etwas ausgegrenzt. Wieder die, die nicht in der gleichen Liga spielen dürfen. Was dachten die Anderen über uns? Ob wir wohl in ihren Augen genug Erfahrung aufweisen würden, da wir ja keine Kinder haben? Würden sie uns deswegen belächeln? Was in ihren Köpfen vor ging, werden wir nie erfahren. Aber sie waren alle soweit ganz nett. Nach dem Grund für die Aufnahme eines fremden Kindes, wurde gefragt. "Weil in der Welt so viel Leid ist und auch im Moment einige elternlose Flüchtlingskinder da sind. Da wollten wir helfen." Kam als Antwort. Das fand ich sehr schön. Der Meinung waren wir eigentlich auch alle. Helfen zu wollen. Allerdings kam mir die Antwort von dieser Person ein wenig großspurig rüber. Er wirkte allgemein recht überheblich, bzw. kam sich vor, als wäre er der Beste und würde bereits alles wissen.

Zwischendrin kam das finanzielle Thema auf. Je nach Pflegestufe bekommt man im Monat bis zu 800 Euro! In Bereitschaftspflege sogar 1.000 Euro. Netto versteht sich. Da war der hilfsbereite Herr auf einmal ganz Ohr. Ich baff. Mir geht es hier nicht um das Geld. Das man Kindergeld für Adoption bekommt ok. Aber so viel Geld für die Hilfe eines Kindes. Da war ich sprachlos. Ich mache das doch gerne! Mir geht es nicht um das Geld. Ich MÖCHTE helfen.
Ja, wie das denn mit der Erstausstattung sei. Wollte er dann noch wissen. Die wird "natürlich" mit 300 Euro bezuschusst. Aha. Spätestens jetzt war mir klar, dass er seine anfänglichen Worte nicht wirklich so gönnerhaft meinte. Das Ehepaar hat ein zwei Jähriges Kind und meint scheinbar, dass so ein Pflegekind einfach mitlaufen kann und sie schieben die Kohle ein. Verkehrte Welt.

Mir gab das Seminar auf jeden Fall das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Vor allem, das Richtige zu tun. Einem kleinen Kind die Chance auf Liebe und ein geborgenes Zuhause geben. Egal ob mit finanzieller Hilfe oder nicht.

Jetzt warten wir weiter auf Tag X. Auf den Anruf. Noch täte sich nichts in der Hinsicht, das hat uns Frau S. auch beim Seminar unter vier Augen gesagt. Aber vielleicht tut sich mit einer Fremdbewerbung bald mehr? Ich fühle keine Ungeduld. Natürlich freue ich mich, aber es ist nicht dieses Warten, wie in den Behandlungen. Jetzt wo wir die Gewissheit haben, dass wir ein Kind adoptieren dürfen, kehrt innere Ruhe ein. Wir genießen im Moment das Leben zu Zweit. Wer weiß, wie lange wir noch Zeit dafür haben werden...

In diesem Sinne liebe Grüße


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