Dienstag, 12. Mai 2015

Alles neu macht der Mai





Ich lebe noch. Auch wenn ich jetzt schon länger nichts mehr von mir habe hören lassen. Es war eine kleine Pause. Besser gesagt eine kreative Pause, wie euch eventuell schon am Blogdesign aufgefallen ist. Gefällt es euch? 

Wir bewegen uns schön langsam gegen Ende der Behandlungen zu und somit endet einen sehr emotionaler, anstrengender und unvergessener Lebensabschnitt. Wir sind offen für einen neuen Abschnitt, der hoffentlich erfolgreicher wird. Adoption. Wir wollen einem liebenswerten kleinen Wesen eine so gut es geht unbeschwerte Kindheit schenken. Vielleicht ist genau das unser Ziel? Unser Schicksal?


Im Nachhinein bin ich nicht mehr sauer. Blind vor Wut, warum ausgerechnet ich dieses Schicksal erleiden muss. Milliarden andere Frauen können das doch auch? Aber vielleicht soll es wohl wirklich so sein. Ich habe viel aus dieser Zeit gelernt. Ich habe gelernt, das Leben mehr zu genießen. Nicht alles als selbstverständlich anzunehmen. Den Tag zu leben. Einfach zu Leben. Das war mir vorher nie so bewusst. Von einer guten Freundin habe ich gehört, dass ich mich positiv verändert habe. Das ist gut so.

Die Anmeldeunterlagen für den letzten Versuch sind immer noch in meinem Email-Postfach. Ich werde sie diese Woche ausfüllen. Versprochen. Denn sonst wird das mit Herbst nichts mehr. Tief in mir weiß ich, dass es auch nicht funktionieren wird. Genauso wie die acht Versuche davor. Aber ich bin nicht wütend. Diesen einen Versuch, der Letzte, den brauche ich, um abschließen zu können. Endgültig. Wir machen uns ein paar schöne Tage in Prag und nehmen zwei Eisbärchen in Empfang. Natürlich habe ich jetzt wieder einen Klos im Hals und mir sind noch immer die schmerzlichen Erinnerungen des letzten Versuchs vor Augen. Der schlechte Aufbau der Schleimhaut, die Intralipid Infusionen. Das Negativ. Nur noch ein einziges Mal. Dann ist es vorbei.

Inzwischen hatten wir schon wieder zwei Gespräche mit dem Jugendamt. Verzeiht mir, dass ich bis jetzt noch nicht darüber berichtet habe. Aber mir haben einfach die Worte dazu gefehlt. In den Gesprächen ging es um Erziehung, Bindung, Abgabegründe der Mutter und um unseren Kinderwunschweg. Erstaunlicherweise konnte ich über letzteres sehr gut und gefasst berichten. Ohne Tränen, ohne brüchige Stimme. Ja, wir haben inzwischen wirklich abgeschlossen.

Leider scheint es so zu sein, dass viele der Kinder gesundheitliche Probleme haben. Wenn man darüber nachdenkt, warum Mütter ihre Babies abgeben, dann klingt es auch logisch. Es gibt viel zu viele, die Alkohol- oder Drogenabhängig sind. Viele in Methadon Therapie. Meistens verpassen sie dann den Abtreibungstermin. Wenn man dann merkt, dass man das Kind trotzdem nicht will, dann wird man auch nicht sonderlich aufpassen, was man in der Schwangerschaft mit sich selbst macht. So kommen die Babies teilweise mit einem regelrechten Entzug auf die Welt und leiden später oft sehr darunter. Es gibt auch Mütter, die einfach aus familiären oder beruflichen Gründen das Kind abgeben. Aber diese sind sicher seltener.

Mit uns gibt es noch weitere zehn Bewerberpaare. Wir sind die Jüngsten. Das Abschlussgespräch haben wir in drei Wochen. Dann gehen wir noch einmal den Bericht durch und sind anerkannt. Wahnsinn. So schnell vergeht die Zeit. Den Anerkennungsprozess habe ich mir viel schwieriger vorgestellt. Aber das ist erst der erste Schritt. Der erste Schritt in eine neue Zukunft. Ab dann heißt es wieder warten...

So. Das waren jetzt für meine Verhältnisse wirklich viele Zeilen. Normalerweise bin ich nicht so redselig. 

Ich wünsche euch noch eine gute Nacht.
Liebste Grüße von der Nachteule.
Share:

Kommentare

  1. Juchuuu, die Jüngsten!!! Das ist super!! Daumen sind gedrückt:)

    AntwortenLöschen
  2. Danke :-) für euch natürlich auch!!!
    Ich habe trotzdem ein bisschen Angst, ob das alles klappt.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen

Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

© Das Leben ist kein Ponyhof! | All rights reserved.
Blogger Template Designed by pipdig