Samstag, 30. Mai 2015

5 Jahre


Diese Allium ist wunderschön, oder? Die habe ich im Herbst in das Blumenbeet gepflanzt. Sie waren damals Tischschmuck auf unserer Hochzeit. Eine tolle Erinnerung, als das Leben noch (fast) perfekt war.


... genau 5 Jahre ist es jetzt nun her, als ich meine erste Endometriose OP hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt schien mein Leben noch in Ordnung zu sein. Eine kleine OP, alles nur halb so wild. Genau. Dass dies der Wendepunkt in meinem Leben sein sollte und solche enorme Ausmaße mit sich ziehen würde, hätte ich nie geglaubt. "Aber mit künstlicher Befruchtung würde es auf jeden Fall klappen. Sie sind ja noch jung". Das war die Aussage des operierenden Arztes. 

Drei Monate später haben wir kirchlich geheiratet. Weitere zwei Monate später, im September gab es die die erste IVF. Ganze fünf Jahre ist dies her. Ich kann es irgendwie gar nicht richtig fassen, wie die Zeit vergangen ist. Wo ist sie hingelaufen? All die Tage, Monate, Wochen. Mir kommt es vor, als wäre es eine verlorene Zeit gewesen. Wo bin ich nur gewesen? Kann ich diese nicht einfach streichen und neu überschreiben? Es wäre zu einfach. 

Jetzt sitze ich hier und habe den letzten Antrag für die aller, allerletzte Embryonenspende per Email abgeschickt. Ein letztes Mal. Wie sich das anhört. So endlich. So unbegreiflich. Es waren dann 9 Versuche. Verrückt, oder? Wie bekloppt muss man eigentlich sein um so einen weiten und schwierigen Weg zu gehen. War es das Verlangen, nicht aufzugeben, weil man schließlich irgendwann belohnt werden MUSS? Nein, bei mir war es für mein Gewissen. Zu wissen, alles, wirklich alles versucht zu haben. Wie oft habe ich die "hätte, wäre, wenn..." Situation schon in meinem Leben gehabt. Dieses Mal nicht. Basta. Jetzt kann ich mich damit abfinden. Es ist einfach wirklich der Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber sowas von. Würden wir die Standartbehandlung nicht kostenlos bekommen, hätte ich die Reißleine schon das letzte Mal gezogen. Jetzt müssen wir nur noch die Medikamente und die Blastozystenkultur bezahlen. Es nennt sich Garantieversuch. Haha. Wenn die wüssten, wie mein Körper tickt. (Ich würde es selber gerne wissen!!!) Für mich wird dieser Versuch garantiert nichts. Aber es ist nicht so schlimm. Wir machen uns ein paar schöne Tage in Prag und lassen es uns so richtig gut gehen. Es wird ein gebührender Abschluss eines Kapitels in meinem Leben.

In zwei Wochen wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Dann haben wir unser Abschlussgespräch mit dem Jugendamt und bekommen die Anerkennung. Dieses Kapitel wird mit Sicherheit nicht weniger schwer. Wobei mir die Anerkennung hingegen wie ein Spaziergang vor kam. So einfach. Aber ich denke der Schein trügt mal wieder. Was kommt danach? Die Wartezeit auf genau DEN Anruf, wird das Baby gesund sein? Die acht Wochen im Anschluss, in denen sich die leibliche Mutter noch um entscheiden kann, und und und. Ich bin wirklich gespannt und freue mich sogar schon ein wenig. 

Hey, ich versuche sogar positive Schlüsse aus dem nicht-schwanger-werdens zu ziehen: keine Übelkeit, keine Gewichtszunahme (naja, die hab ich so schon auch), keine Geburtsschmerzen usw. Ich habe mir einmal Gedanken gemacht, wie das mit den Endometriosenarben in mir sein wird, wenn ich schwanger geworden wäre. Angeblich hätten da durch die Verwachsungen enorme Schmerzen entstehen können. Das möchte ich lieber nicht. Außerdem bin ich durch die Endo richtig "eng". Entschuldigung, aber so ist es wirklich. Klar, meinen Mann freut es, aber bei einer Geburt, nicht auszudenken. Somit hat es doch auch Vorteile, wenn ein Kind einfach "da" ist. 
Jaaa, ich weiß, es ist kein Vergleich. Aber vielleicht ist es wirklich besser so?


Liebste Grüße


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Kommentare

  1. Wir hätten noch Embryos eingefroren. Leider verbietet das Schweizer Gesetz das weiterreichen von Embryos. Und ob es einen Schlupfwinkel gibt, weiss ich nicht. Doch ich würde dir die 9 von Herzen gerne schenken. Wir haben selber 9 Jahre gewartet. Ich weiss, wie sich das anfühlt.
    Ich wünsche dir viel Erfolg beim nächsten Versuch und geniesse Prag.
    Lg
    Denise

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  2. Liebe Denise,
    danke für deine lieben Worte. Eine Embryonenspende ist in Deutschland soweit auch nicht erlaubt. Wohl gibt es hier schon ein kleines Schlupfloch, aber die Auflagen sind extrem. Das möchte ich mir nicht mehr antun. Der letzte Versuch soll so angenehm und stresslos wie möglich werden. Ich möchte den Abschluss so schön wie möglich in Erinnerung
    behalten.

    LG

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  3. Ich drücke euch die Daumen! Zunächst Mal für die Embryonenspende. Und sollte auch dieser Versuch negativ ausgehen selbstverständlich für die Adoption!

    Alles Liebe!

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  4. Für ALLES, was jetzt auf Euch zukommt drücke ich meine Daumen ganz fest!!! Herzliche Grüße Kitty :-)

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  5. Auch dir liebe Kitty danke ich von Herzen für die lieben Worte :-)

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  6. Huhuuuu, ich drücke auch feste die Daumen mit, egal auf welchem Weg ihr zu Euerm Kind kommt. Bin schon ganz gespannt, wie Euer Abschlussgespräch verläuft.
    Liebste Grüße, FrauBitte

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  7. Liebe FrauBitte,
    dankeschön :-) ich bin auch schon richtig gespannt. Ich kann es mir noch immer gar nicht vorstellen. Wie du auf deinem Blog schon so schön geschrieben hast, es kommt jetzt nicht mehr auf die Frage "ob" sondern auf das "Wann" drauf an! Ich freu mich schon so. Auch wenn es sicherlich nicht leicht werden wird.
    Liebste Grüße zurück,

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