Dienstag, 3. März 2015

Der erste Hausbesuch



Gesaugt?  -> check
Gewischt? -> check
Staub gewischt? -> check
Alles Tip Top aufgeräumt? ->check
Gebacken? -> Check
Kaffewasser bereit gestellt? - Nein -> schnell noch Wasser auffüllen - check

Puh, ich glaube das wars. Wir sind bereit. Bereit für unseren ersten Hausbesuch der Mitarbeiterin vom Jugendamt. Jetzt darf die nette Dame kommen.

Punkt halb vier war es dann soweit und es klingelte an der Haustüre. Die Mitarbeiterin kam herein geschneit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es stürmte und schneite, was der Himmel gerade hergeben wollte.

"Schön haben sie es hier! Haben sie extra alles so heraus geputzt?" Waren ihre ersten Worte. "Neeeein, bei uns ist es natürlich immer ordentlich..." *zwinker*. Ich muss dazu sagen, dass ich tatsächlich auf Ordnung und Sauberkeit achte, aber manchmal lasse ich es auch schleifen. Zum Beispiel wenn ich erst um halb neun von der Arbeit nach Hause komme, dann setz ich mich schon mal lieber hin, anstatt den Geschirrspüler auszuräumen. Aber wenn wir Besuch erwarten, dann ist es immer sauber. Als gelernte Hotelfachfrau lege ich da einfach Wert drauf.

Unsere zwei Katzen kamen gleich freudig zur Begrüßung und ließen sich erst einmal streicheln. Sie hätte wohl auch so eine Dreifarbige wie unsere, sollen ja Glückskatzen sein. Gut davon habe ich noch nicht viel gemerkt, aber egal. Einfach lächeln und nicken.

Bei einer Tasse Kaffee haben wir uns gleich dran gemacht, unsere Familienkosntellationen genauer zu analysieren. Nebenbei wurde über die Vergangenheit geredet. Bei meinem Mann war natürlich alles Aalglatt. Er lebte schon immer im Dorf mit den besten Familienverhältnissen. Thema schnell erledigt.

Bei mir war es mit meinen verkorksten Verhältnissen dann schon etwas schwieriger. Wie kann man eine Vergangenheit, die nicht dem Bilderbuch entspricht gut verpacken? Ich kam mir zwischendrin ein wenig wie bei den Desperate Housewifes vor. Von außen alles hui gemacht, doch in mir ist es gar nicht mehr so hui. Angefangen beim Tod meines Bruders als ich zwei Jahre alt war, über die Scheidung meiner Eltern samt Desinteresse meines Vaters. Egal, irgendwie habe ich mich immer durchs Leben geboxt. Nach dem Motto: was dich nicht umbringt macht dich nur stärker. Das sah wohl auch die JA Mitarbeiterin so und fand es klasse, wie ich damit fertig geworden bin. Ganz ohne Therapie. 

Sie war auch von unseren Lebensläufen begeistert, da wir in relativ kurzer Zeit ihrer Meinung nach so aussagekräftige Seiten geschrieben haben, die keine Fragen offen ließen. Das machte mich ein wenig verlegen. Ich hatte mir solche Gedanken gemacht, ob ich überhaupt mit dieser Vergangenheit in der Lage wäre, ein Kind adoptieren zu dürfen.

Ich soll mir jetzt bis zum nächsten Mal Gedanken darüber machen, wie ich als Kind mit dem Tod meines Bruders fertig wurde und ihn verarbeitet habe. Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Auf der Beerdigung war ich damals nicht. Es wurde verdrängt. Vielleicht kommt auch daher irgendwie meine Phobie vor toten Sachen? Aber kann ich der Dame vom JA das so sagen? Die hält mich doch dann für völlig bekloppt und unfähig.

Erst vor Kurzem war scheinbar wieder eine Ado im Landkreis. Im Schnitt einmal im Jahr wird bei uns ein Kind hierzu freigegeben. Sie hat uns aber jetzt schon versichert, dass wenn nicht noch irgend etwas gravierendes kommen sollte, wir sehr gute Chancen haben. Alleine wegen dem Alter. Sie meinte sogar, falls es bald wieder zu einer Ado kommen sollte, und wir genau passen würden aber noch nicht komplett anerkannt sind, dann könnte es sogar sein, dass wir bevorzugt werden... 
Das hat uns fast die Schuhe ausgezogen, so perplex waren wir. Trotzdem wollen wir erst einmal die Kirche im Dorf lassen. Warum sollten wir dieses Mal so schnell an unser Ziel kommen? Ganz so schnell wird es nun sicher nicht gehen. Da möchte ich realistisch bleiben.

Zum Abschluss machten wir noch einen Rundgang durch unser Haus und die sympathische Dame verabschiedete sich nach über zwei Stunden wieder.

Das war er nun, unser erster Hausbesuch. Ich hatte wirklich Bammel davor. Aber die ältere Frau vom Jugendamt war uns von Anfang an sympathisch mit ihr lockeren und freundlichen Art. 
Ich möchte mich auch ganz herzlich bei Frau Bitte von Familie Bitte bedanken, die letzte Woche ebenfalls ihren ersten Hausbesuch hatte und mir durch ihren tollen Bericht ein wenig die Angst genommen hat.

Liebe Grüße




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