Samstag, 28. März 2015

Das Taufbuch




Ich habe euch ja schon erzählt, dass mein Mann der Taufpate unseres Neffen ist. Eigentlich hatte ich die Taufe inzwischen schon gut "verdrängt", da dieser Tag jetzt nicht unbedingt zu den schönsten meines Lebens gehörte. Aber egal. Ich hoffe, dass ich mit meinem Leid in der Kirche niemanden aufgefallen bin. Denn ich wollte ja keinem den Tag ruinieren. Es ging ja schließlich nicht um mich! Die Erde dreht sich weiter. 
Auf jeden Fall war das Kapitel der Taufe eigentlich schon wieder für mich erledigt und ad acta gelegt. Bis auf einmal man Mann mit dem Taufbuch kam. Bäääm. Ein Schlag in den Magen. An sich ist es ja eine schöne Sache, so ein Taufbuch. Auf jeder Seite sind schöne Bilder, die der Eltern mit Baby, des Taufpaten mit Baby (quasi mein Mann), Oma, Opa usw. zeigen. Auch ich bekam eine Seite mit Bild und Baby auf dem Arm. Überall Sprüche, wie toll, dass es doch das Baby gibt, welch ein Wunder... *schnief* Neben den einzelnen Baby und Pate, Tante, Mama und wer weiß noch alles Bildern ist immer eine Seite frei gelassen worden. Da darf jeder seine Wünsche für den Täufling verewigen.

Ja, was schreib ich denn jetzt da? Mir ist es für die Karte zur Taufe schon so schwer gefallen, einen kleinen Spruch aufzuschreiben. Nicht weil ich keine kenne, sondern weil ich gerne auch für Geburtstage und Weihnachten besondere Sprüche heraus suche. Es hat wirklich verdammt weh getan, einen wunderschönen Spruch auf die Karte zu schreiben. Einen Spruch, den ich selbst gerne auf eine "Hier bin ich" oder "Willkommen unser größtes Glück" Geburtskarte geschrieben hätte. Kennt ihr diese Sprüche? Sie bringen mir fast immer Tränen in die Augen. Eben jene Sprüche, die jetzt auch im Taufbuch stehen. Auch mein Spruch aus der Taufkarte.

Ich missgönne es ihnen nicht. Auf gar keinen Fall. So bin ich nicht und es ist auch nicht meine Art. Ich will meine eigene kleine Familie. Es macht mich nur unendlich traurig und wütend. Wütend auf meine Körper, der mich so im Stich lässt. 

Ich brauche noch ein paar Tage, bis ich weiß, was ich hinein schreiben werde. Aber dieses Mal wird es nichts emotionales sein. Irgendein "wie schön dass du geboren bist..." oder so. Mein Mann macht es sich da ganz leicht. Es wird ein "Alles Gute vom Taufpaten" sein, mehr nicht, wie ich ihn kenne. Genauso wie der andere Onkel, der schon was ins Buch hinein geschrieben hat. Aber so ist er halt, mein Mann. Es wird ihm auch keiner verübeln und hat auch nichts mit unserem Kinderwunsch zu tun. Männer eben.

Ganz liebe Grüße



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Kommentare

  1. Ich kann dich gut verstehen. Wie soll man sich denn richtig mitfreuen.
    Eine gute Freundin von mir bekam ihr erstes Kind ein paar Monate nach unserer Hochzeit. Also in einer Zeit, in der wir jeden Monat hibbelten, ob es auch bei uns geklappt hat.
    Wir waren sehr euphorisch. Die Freundin bekam ein Riesenpaket mit gebasteltem Geschenk.
    Ihr zweites Kind kam knapp zwei Jahre später, wir hatten mittlerweile die Diagnose Azoospermie erhalten und standen vor der 1. ICSI. Sie bekam nur eine Glückwunschkarte mit einem Standardspruch. Einerseits ist es total schade, aber wie sollen wir uns denn mitfreuen, wenn wir nicht wissen, ob wir dieses große Glück jemals erleben dürfen.
    Also, mach dir keinen Kopf, dir werden ein paar gute Zeilen einfallen.
    Minna

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  2. Liebe Minna,

    ich glaube, das ist auch eine Art Selbstschutz. Man baut irgendwann eine innere Mauer auf. Ich habe tatsächlich noch ein paar Zeilen gefunden. Sind schön, aber nichts zu emotionales.

    Liebe Grüße

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