Sonntag, 18. Januar 2015

Gefühlschaos



Es liegt wieder Schnee. Ist ja eigentlich auch normal für diese Jahreszeit. Nur ist es kaum vorstellbar, dass ich schon morgen in einer Woche am Strand liegen kann. Endlich. Eine Woche voller Nichtstun. Außer vielleicht das All-in Buffet plündern, (Ähm, ich bin gerade am Abnehmen. Soviel zu den guten Vorsätzen) ein wenig Schnorcheln oder mal zum Shoppen gehen. Ägypten wir kommen. 
Nur, die Vorfreude, wo bleibt die eigentlich? Sonst habe ich mich immer wie ein kleines Kind gefreut, wenn es in den Urlaub ging. Jetzt ist das Gefühl ein wenig, sagen wir mal, neutral. Vielleicht kommt es ja noch. Keine Ahnung.

Vielleicht liegt es ja momentan auch an meinem Gesamtzustand. Ich fühle mich gerade, als würde ich in einem leeren Raum schweben. Ich weiß nicht, ob ich fallen oder steigen soll. Ich weiß nicht wo hin mit mir. Ist es die Resignation? Zu wissen, dass mein Leben jetzt dann an einem neuen Wendepunkt ist? 

Gestern bin ich in meinem schwerelosen Zustand ein gutes Stück nach unten gedriftet. Ich konnte es nicht ändern. Nicht mehr selbst steuern. Gestern war die Taufe meines Neffen. Mein Mann war Taufpate. 
Je älter Babys werden, desto weniger macht es mir aus, sie anzusehen oder auf den Arm zu nehmen. Lange habe ich mir davor schon Gedanken gemacht, wie ich den Tag meistern soll. Sollte ich mir was zur Beruhigung verschreiben lassen? Nein, ich wollte doch nicht zum Doc gehen und sagen, dass ich ein psychisches Wrack bin. Sollte ich mir davor ein Schnäpschen gönnen? War auch keine gute Idee. Alkohol lässt mich teilweise sentimental werden. 
So kam der Tag immer näher, aber die Angst verschwand mit der Zeit. Wir hatten zwischendrin schon ein paar Mal auf den Kleinen aufgepasst und es war wirklich nicht so schlimm.

Doch in der Kirche traf es mich dann wieder mit voller Wucht. Einfach so. Ich konnte es nicht verhindern. 
Meine Schwägerin hat mich gebeten, die Taufe zu filmen. Die Taufe an sich war eigentlich wunderschön. Nur als dann mein Mann das Baby auf den Arm hatte und mit dessen Eltern vorne am Altar stand wollte ich mich am liebsten in Luft auflösen. Die Kamera wackelte in meinen Händen (wie peinlich, ich hoffe sie hat ein gutes Bildstabilisierungsprogramm) und Tränen stiegen in meine Augen. Am liebsten wollte ich weg rennen und mich einfach in irgend einer Ecke verkriechen. Einfach weg - oder im Boden versinken. Egal. Ich musste mich so extrem beherrschen. Hätte ich keine Kamera in der Hand gehabt, wäre ich nach draußen gegangen. Definitiv. Es hätte jeder Verständnis gehabt. Aber die Blöße zu zeigen, keine Ahnung. 

Ich glaube und hoffe, dass es keiner mit bekommen hat. Zumindest hat mich keiner darauf angesprochen. Als dann der Pfarrer vom wunderbaren Geschenk Gottes... usw. sprach, kam ich mir erst recht wie ein Versager vor. Ich habe es wohl einfach nicht verdient.


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Kommentare

  1. Auch du hast ein kleines Wunder verdient, wir alle haben es verdient.♥
    Ich glaube dir zu gerne, dass die Taufe deines Neffen, schwer für dich war. Aber du hast es gemeistert, du warst stark, hast durchgehalten.

    LG Carina

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  2. Danke dir liebe Carina, für deine netten Worte <3

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  3. Hallo :)
    ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass dich das Bild deines Mannes mit dem Baby auf dem Arm so getroffen hat. Mir würde es wahrscheinlich nicht anders gehen ...

    Mit "versagen" oder "es nicht zu verdienen" hat es aber meiner Meinung nach nichts zu tun. Im Moment hilft es dir wahrscheinlich nicht weiter, aber vielleicht hast du eine andere Aufgabe im Leben. Die Anzahl der Frauen, die Probleme mit der Fruchtbarkeit haben, nimmt immer weiter zu. Haben die es alle nicht verdient oder sind Versager? Ich finde nicht :)

    Lieben Gruß
    Linda

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  4. Hallo Linda,

    es stimmt schon, dass es eigentlich rein gar nichts mit verdienen oder nicht zu tun hat. Nur gibt es ja so viele Sprichworte, auch im Chinesischem, dass jeder das zurück bekommt, was er verdient hat. Da denke ich mir nur oft, was habe ich alles falsch gemacht?
    Ob die Anzahl der unfruchtbaren Paare zu nimmt, weiß ich nicht. Ich denke einfach, dass jetzt immer mehr darüber reden. Früher war das ja ein absolutes Tabuthema. Zudem werden die Frauen auch immer älter, wenn sie das erste Kind bekommen. Da ist der Körper einfach nicht mehr auf so fruchtbar. Hach, ich weiß auch nicht. Ich fühle mich wie in einem Mittelgang. Die eine Türe ist schon fast zu, die Andere muss ich erst noch öffnen. Aber was verbirgt sich wohl dahinter?

    Liebe Grüße

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